21.01.2010

Acher und Bühler Bote

Ausstellung über den "Fensterplatz"

Vernissage zur Ausstellung mit Werken der Karlsruher Künstlerin Judith Henkel

"Könnte ich mit Worten Unterscheidungen treffen, wäre ich Schriftstellerin geworden." Nachdenklich betrachtet Judith Henkel ihre Gemälde, die bis zum 21. März die Galerie im Bühler Innovations- und Technologiezentrum schmücken werden.
Angelehnt an die Lyrik könne man jedoch den Begriff "Magischen Realismus" verwenden, mit dessen Hilfe sich die Künstlerin aufmacht, die Grenzen zwischen Realität und Fantasie malerisch verschwimmen zu lassen, versucht sich Henkel in einer Beschreibung ihrer Arbeiten.
Auf den Namen "Fensterplatz" taufte die Malerin aus Karlsruhe-Hochstetten ihre rund 25 Werke umfassende Bilderreihe. Das Fenster stehe als Symbol für die Öffnung zu Verborgenem. Es geben den Blick frei nach draußen, lasse jedoch auch nach innen schauen, resümierte Judith Henkel über die Namensgebung anlässlich der Vernissage im Bitz. Es sei ein Spiel mit Erwartungen, Hoffnungen und Sehnsüchten, das sie als Malerin mit den Ölfarben spiele, mit Licht und Schatten experimentiere und somit die Sehgewohnheiten irritiere.
Als schrille Operdiva mit Hang zum Exzentrischen nahm Alexia Basile die zahlreichen Gäste mit auf eine musikalische Führung durch die Ausstellung. Die Erschließung des Sinns der farbigen Leinwände erfolgte insofern gleich auf zweifache Weise: optisch und akustisch. Mit Arien von Händel, Mozart und Liedern Schuberts, trat die ehemalige Solistin am Oldenburger Staatstheater den Beweis an, "dass Lieder bei Vernissagen durchaus ihre Berechtigung haben".
Die Berechtigung der Kunst in einem ausgewiesenen Technologiezentrum, erklärte Oberbürgermeister Hans Striebel mit der Inspiration, die von den Gemälden in den Fluren ausgehe. Der Umgang mit Künstlern rege die Mitarbeiter darüber hinaus zur Kreativität an. Diese sei auch in der Kommunalpolitik stets gefragt, fügte er schmunzelnd hinzu. Keineswegs stehe das Bitz in Konkurrenz mit der städtischen Kulturförderung. Als Teil des Technologiezentrums Karlsruhe ermögliche das Bitz aber auch die Förderung von Künstlern aus einem weiteren Umkreis Bühls, betonte Striebel.
Über die Lage der Ausstellung im Industriegebiet zeigten sich viele Besucher überrascht. "Der typische Besucher verirrt sich für gewöhnlich nicht dahin", stellte Theodor Kiffmeier fest, der aus Roppenheim im nahe gelegenen Elsass angereist war.
Dass man die Schritte fortan jedoch öfter in die Galerie im Bitz lenken werde, darin waren sich auch die Besucherinnen aus Bühl einig, die mit dem Besuch der Vernissage heimisches Neuland betraten. Sigrid Frühe-Huber durfte sogleich den abendlichen Gewinn mit nach Hause nehmen: einen kostenlosen Portrait-Termin bei der Künstlerin Judith Henkel.