BNN 19.02.2005


Bericht von Marianne Lother
Foto von Marianne Lother>

Realität der zerfallenden Kirchen erhält einen Hintersinn

Ausstellung mit Werken von Judith Henkel eröffnet / Gemälde setzen Fantasie in Gang und fördern Gespräche
Von unserer Mitarbeiterin Marianne Lother

Stutensee. Starke Farben und leicht erkennbare Gegenständlickeit kennzeichnen den Stil der Malerei von Judith Henkel. Am Donnerstagabend hat die Künstlerin, die 1956 in Nürnberg geboren wurde und seit 1977 im Landkreis Karlsruhe lebt, im Stutenseer Rathaus ihre Ausstellung eröffnet.

Ein Teil ihrer Bilder zeigt Landschaften, Blüten und Natur. Hier gibt Judith Henkel das Gesehene wieder und vermittelt dem Betrachter den Ausdruck ihrer Empfindungen. Die Gemälde, vorwiegend Öl, lassen das Auge entspannt über Wiesen und Felder schweifen und über die blaue Weite des Meeres. Ebenfalls Realität, aber mit eigenen Ideen überhöht und verfremdet malt sie in einer anderen Kategorie. Diese Bilder sprechen den Betrachter an, setzen die Phantasie in Gang und fördern Gespräche. Ihnen wohnt eine mitunter kritische Aussage inne, in einem genialen Einfall witzig verpackt.

"Ersatzteil" zeigt die verfallene Kuppel einer alten Kirche im spanischen Tossa del Mar. Natursteinmauern mit deutlichen Löchern, gebrochene Streben und mittendrin ein Fernseher. Judith Henkel gibt der Realität der zerfallenden Kirche einen Hintersinn: "Was uns Kultur und Kirche nicht mehr geben kann, holen wir uns aus Fernsehen und Internet." Sozusagen ersatzweise. "Judith Henkel malt, was sie für richtig hält, und nicht das, was gerade angesagt ist", sagt Oberbürgermeister Klaus Demal. "Großstadtträume" zeigt den Blick auf das Haus gegenüber. In fast allen Fenstern sind die Wünsche und Träume der Bweohner dargestellt. Nur ein Fenster ist leer. "Der Bewohner ist ausgezogen, aber er ist auch ausgestiegen", sagt Judith Henkel. ER habe es nicht mehr länger beim Träumen belassen, sondern sich aufgemacht, etwas zu tun. Sie habe "schon immer Bilder im Kopf gehabt", erzählt die Künstlerin. Aber erst nach einer Umbruchphase ihres Lebens, als sie ihre berufliche Tätigkeit bei der Bundesanstalt für Flugsicherung aufgab, habe sie angefangen, ihre Technik zu verfeinern und gezielt Unterricht genommen. Ihr erster Lehrer war Wolfgang Kleinow in Linkenhein, wo sie auch ihre erste Solo-Ausstellung hatte. Eines ihrer Bilder will die Künstlerin zugunsten der Hilfsorganisation "Patenkinder Peru e.V." und der "Frauenwerkstatt Pamplona Alta" in Lima, einem Entwicklungsprojekt in Peru, verkaufen. Die Ausstellung ist bis zum 17. April zu den üblichen Öffnungszeiten des Rathauses zu sehen.

Text und Foto: Marianne Lother


Zurück zur Hauptseite
Zurück zu Presse
Weiter zur Galerie