BNN 04.08.2007

Bericht: Martina Schorn
Foto: Natalie Nees

 

"Meine Bilder sind Kopfgeburten und Gefühl"

Die Hochstettener Künstlerin Judith Henkel entwickelt aus vielen aktuellen Themen ein Bildmotiv

Linkenheim-Hochstetten. "Die Ideen kommen einfach, da kann man nichts machen, und wenn man sie kommen lässt, dann bringen sie Freunde mit."

An Ideen mangelt es Judith Henkel sicher nicht. Vieles, was die Hochstettener Malerin hört, sieht oder liest, wird für sie zu einem Bildmotiv, das auf die Leinwand drängt. "Meine Bilder sind Kopfgeburten und Gefühl", sagt Judith Henkel.

Begonnen mit der Malerei hat die Künstlerin während ihrer Berufsausbildung im Flugverkehrskontrolldienst. Ihre Lehrer waren unter anderem Otto Leven in Frankfurt und Professor Rolf Wrisch. Schon von den ersten Pinselstrichen an war Judith Henkel klar, dass ihr Weg die gegenständliche Kunst ist. "Abstrakt zu malen, das ist nicht mein Ding", sagt sie, die "sehr Detail orientiert arbeitet, weil das fertige Bild ein schlüssiges Ganzes sein muss."

Judith Henkel malt ausschließlich mit Ölfarben, dem "freundlichsten Medium", wie sie findet, denn "diese Farbe macht, was ich will." Was die Auswahl ihrer Themen angeht, lässt sich Judith Henkel nicht festlegen: "Das finde ich langweilig." Ihr Werk umfasst sehr persönliche Motive, bei denen sie sich "Probleme von der Seele gemalt" hat, Landschaften, Blumenmotive, menschliche Gestalten, sogar die Hauskatze, sind für Judith Henkel Bildthemen. Ihre Arbeiten sind oft geprägt von Gegensätzen und Anspielungen, die sie mit Witz umsetzt.

Die perfekte Welle, so wie die Gruppe "Juli" sie besingt, bei Judith Henkel kann man sie sehen. Grünlich-blau hoch aufgestellt mit weißer Gischtkrone rauscht sie dem Betrachter entgegen. Am liebsten möchte man ihr entgegenlaufen. Ein aufgeplatzter Granatapfel zeigt bei Judith Henkel nicht nur sein kerniges Innenleben, sondern auch seine Bewohner. Kleine grüne Männchen haben von der Frucht Besitz ergriffen.

Ein anderes Bild zeigt einen Korb voller Eier, daneben liegt ein Hammer. Für Judith Henkel eine Anspielung gegen unsinnige und überflüssige Gewalt. Viele Motive bringt sie von Reisen mit, etwa aus Spanien, dem Land, das es ihr ganz besonders angetan hat. Im kommenden Jahr steht Peru im Reisekalender. Dort hat sie ein Patenkind, und schonjetzt ist die Malerin gespannt, was ihr da an Motiven alles vor die Digitalkamera laufen wird. "Ich fürchte, da wird mir der Kopf platzen."

Und dann gibt es immer wieder sie: eine kleine korpulente Figur mit vollen Brüsten und breitem Gesäß – die "Venus von Willendorf", 35 000 Jahre ist die Kalkstein-Figurine aus der jüngeren Altsteinzeit alt, und Judith Henkel ist von ihr, die als Symbol für die Mutter ERde interpretiert wird, fasziniert. Immer in einer anderen Szenerie, mal in Anlehnung an Botticellis schaumgeborene Venus auf eine Muschelschale ins Meer gestellt, mal als Widerpart einer schrillen Barbie-Puppe, dominiert die Skulptur die Leinwand. Zwölf Bilder hat die Künstlerin der urmütterlichen Matrone gewidmet. Auch in anderen Bildern taucht die Venus auf, als kleine Accessoire geschickt in das Motiv platziert. So in einer Serie von Torbögen, bei denen die Form des Bogens immer gleichbleibt und nur das Farbenspiel sich verändert.
Wer glaubt, Judith Henkel könne nur "brav" sein, der irrt. Beweis dafür ist eine Kreuzigungsszene. Dem ans Kreus geschlagenen Christus hat die Künstlerin Kopfhörer aufgesetzt, seine trauernden Eltern sind mit Ghettoblaster und CD-Player ausgerüstet. Vor dem Leidenstrio sitz ein Hund mit einem alten Trichtergrammofon. "His Masters Voice" oder "Herr, Dein Wille geschehe".

Was Judith Henkel sich noch wünscht, ist ihre Porträtarbeit zu vervollkommnen. Sie will noch viel mehr daran arbeiten und sicherer werden. "Ich wäre gerne so mutig, in einer Straßenbahn meinen Skizzenblock auszupacken und mein Gegenüber zu porträtieren."

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