BNN 03.03.2008


Bericht von Martina Schorn
Foto von Natalie Nees

 

Seiltanz zwischen geistiger und materieller Welt

Die Hochstettener Künstlerin Judith Henkel zeigt bis April ihre Werke im Rathaus in Eggenstein

Eine Tomate erwürgen, einen Küchenschwamm erdolchen oder ein harmloses Ei mit einem Hammer malträtieren. Wer kennt sie nicht, diese Wutgefühle, wenn der Alltag mal wider kräftig an den Nerven zerrt und der berühmte letzte Tropfen das Fass der Emotionen zum Überlaufen bringt? Judith Henkel macht diese Gefühle in ihren Bildern sichtbar. "Abgrund im Eigenheim" ist eine Ausstellung der Hochstettener Malerin betitelt, die gestern im Rathaus in Eggenstein eröffnet wurde und bis zum 25. April andauert. in 41 Arbeiten zeigt die Künstlerin was sie beschäftigt, fasziniert und umtreibt. In seiner Begrüßung hob Bürgermeister Bernd Stober hervor, dass "unser Rathaus nicht nur für die unvermeidlichen Behördengänge zur Verfügung steht", sondern ein Ort der Begegnung, der Kunst und des Gesprächs sein soll. Das Verwaltungshaus wolle eine Plattform bieten für örtliche und regionale Künstler um sich und ihre Arbeiten vorzustellen.

Die Trilogie "Abgrund im Eigenheim" empfängt den Besucher des Rathauses bereit an der Eingangstür. Gleich daneben gibt es das "Fenster zum Meer II". Der Blick in den Ozean ist durch eine Gardine halb verhängt, nur eine Möwe schwebt frei und scheinbar unbeschwert am Betrachter vorbei. "Manchmal", sagt Judith Henkel, "möchte man einfach abhauen aus dem Alltag". Das Fenster zum Meer handle auch von einer Flucht, aber wenn man genauer hinsehe, werde man feststellen, dass es sich um eine Flucht in die Fantasie handle.

In ihren Arbeiten verbindet Judith Henkel gern Gegensätzliches und auch Dualitäten. "Zweiheit" heißt zum Beispiel eines dieser Bilder. Wieder ist es ein Fenster durch dass der Betrachter auf den ersten Blick auf eine Moschee vor einem blauen Mittelmeerhimmmel trifft, während sich in den Fensterflügeln eine öde graue Industrielandschaft spiegelt. Die Künstlerin versucht mit diesem Motiv den Seiltanz zwischen der geistigen und der materiellen Welt. Dem was den Menschen spirituell ausmacht und den Zwängen und Realitäten denen er im täglichen Leben unterworfen ist.

Vermissen werden die Kenner der Arbeiten von Judith Henkel die schon fast zu ihrem Markenzeichen gewordene Venus von Willendorf. Sie ist diesmal definitiv nicht dabei dafür das Projekt "Club de Madres" in Peru für das sich Judith Henkel stark macht und gestern ein Bild versteigern ließ. Karlsruhes Sozialbürgermeister Harald Denecken übernahm die Funktion des Auktionators und konnte einen Erlös von 100 Euro für eine in zarten Pastellfarben gemalte Blüte, einem "Symbol des Aufbruchs" erzielen.

Martina Schorn
Foto: Natalie Nees

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